Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
Mit folgende Zeilen möchte ich gerne vor allem jene Betroffene ansprechen, welche unter Zwängen leiden wie: "Liebe ich meinen Partner, mein Kind auch wirklich genug?" Ich weiß es von früher aus Eigenerfahrung, was es heißt, immer wieder auf das "bestimmte Gefühl" zu warten und zu hoffen. Wie soll man denn z.B. Wiedersehensfreude empfinden, wenn man schon angespannt darauf wartet, in genau jenem Moment ein bestimmtes Gefühl zu spüren? Und wie lange wird wohl die vom Zwang verlangte Bestätigung ausreichen, um sich endlich zumindest für eine kurze Zeit wieder besser zu fühlen? Dazu habe ich einen sehr guten Text gefunden, welchen ich Euch nicht vorenthalten möchte: Ich zitiere:
 
"[...] Das Ergriffenwerden lässt sich nicht erzwingen oder bewusst herbeiführen, es lässt sich nicht "machen".
Wenn jemand gestern einen Sonnenuntergang auf der Parkbank [...] erlebte, so kann es sein, dass er heute auf der gleichen Bank sitzt und bei einem nahezu gleich schönen Sonnenuntergang gar nicht viel empfindet. Und je mehr er sich bemüht, desto geringer werden seine Chancen, tatsächlich ergriffen zu werden: Um seelisch tiefes Erleben kann man sich nicht bemühen. Ja, Anstrengung und Ergriffenwerden schließen sich geradezu aus. Wir können es allenfalls zu-lassen, unsere Kontrolle los-lassen und, wenn wir ergriffen werden, uns darauf ein-lassen.
Ergriffen sein lässt sich nicht be-wirken, es kann nur wirken. Es lässt sich nicht fassen, es kann uns nur er-fassen. Es lässt sich nicht fest-halten, wir können es nur aus-halten."1

1Marco von Münchhausen: Wo die Seele autankt. Die besten Möglichkeiten, Ihre Ressourcen zu aktivieren. - Frankfurt/New York: Campus Verlag 2004, S. 29f.

 

Allerdings rate ich nicht dazu, das Buch zu lesen, solange man an der Zwangserkrankung leidet. Dafür ist es nicht geschrieben. Hilfreiche Literatur für Zwangspatienten und Angehörige haben wir eigens aufgelistet!

An dieser Stelle wieder einmal mein Appell: Unternimm etwas gegen den Zwang, damit dann eben wieder die "Anstrengung" nachläßt und das "Ergriffenwerden" an dessen Stelle rücken kann. Dann wirst Du eben beispielsweise auch wieder mehr Gefühle für Deine(n) Partner(in) empfinden können. Es ist einfach eine völlige Überforderung an sich selbst, wenn man glaubt, neben der alltäglichen, sehr anstrengenden Plage mit dem Zwang könne bzw. müsse man noch besondere Empfindungen in Sachen Liebe und Gefühle aufbringen. Dazu ist man viel zu erschöpft. Suche Hilfe bei einem geschulten Verhaltenstherapeuten, dann bist Du auf dem besten Weg dazu, das "Leben" wieder mehr "lieben" zu können und die Plage Zwang in den Schatten zu rücken ("los-zulassen").

Alles Gute Theresa

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
Hallo, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, vielleicht damit das ich sehr froh bin endlich eine Internet Seite gefunden zu haben, die mir nicht noch mehr Angst sondern mir Mut macht....

Ich leide seit etwa einem halben Jahr an agressiven ZG meinen Kindern gegenüber, wobei meine "Phantasie" keine Grenzen kennt und  alle  schlimmen Nachrichten, Filme etc. tun dann noch ihr übriges und werden sofort "verwertet". Außerdem habe ich ständig Angst das ich verrückt werde, eine Psychose bekomme oder oder oder....den ganzen Tag verbringe ich damit zu denken....entweder schlimme Dinge meinen Kindern gegenüber oder mir Vorzustellen verrückt zu sein.  Uns geht es eigentlich sehr gut, ich bin glücklich verheiratet, keine finanziellen Sorgen, meine Arbeit macht mir Spass- und dann sowas....jeder Tag wird zur Qual. Als Kind hatte ich auch schon eine "Angstphase" da war ich etwa 10 oder 11 Jahre alt, auch mit leichten Zwängen...habe mich aber damals schon dafür geschämt und es keinem erzählt, es ging dann auch nach kurzer Zeit wieder von alleine weg. Vor einem Jahr ( mit 33 Jahren) ging es dann wieder los mit Panikattacken, Angstzuständen (Angst Ohnmächtig zu werden , Herzangst....) ich bekam dann im November Citalopram verordnet um die Stimmung zu heben, und dann hat es eigentlich erst angefangen mit diesen fiesen ZG. nach 3 Wochen hab ich es wieder abgesetzt und danach gingen sie fast wieder weg, bis im Feb 2012 nach einem Zeitungartikel alles erst richtig losging und sich ins unermessliche steigerte. Und diese schreckliche Angst "verrückt" zu werden.....man wartet ja quasi darauf und sitzt in Lauerstellung- wie bescheuert ist das denn ;-) aber man bekommt diesen Zweifel einfach nicht weg- kennt das auch jemand so extrem ??

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
Ich bin Mutter eines zwangskranken Kindes. Mein Kind litt an schwersten Zwängen, so daß zwei Jahre kein Schulbesuch möglich war, auch hatte er zu dieser Zeit keine sozialen Kontakte. Nach langen Irrwegen kam er auf die neuropsych. ins AKH - Wien. Nach mehreren medikamentösen Fehlschlägen, bewirkte die kombination Floxyfral (Serotonin) und Dogmatil (Dopamin) eine entscheidende Verbesserung.

Anschließend wurde mit Verhaltenstherapie (Exposition mit Reaktionsverminderung) begonnen. Seit zwei Jahren ist er stabil, besucht ein Gymnasium und ist sozial integriert. Ich möchte Betroffenen Mut machen, es gibt Hilfe. Es ist ein langer und anstrengender Weg, aber es lohnt sich. Viele kleine Schritte führen zum Ziel. Ich leite in St. Pölten eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von betroffenen Kindern. In Wien gibt es auch eine Selbsthilfegruppe. Für Angehörige ist es wichtig, sich nicht in das Zwangsgeschehen einbeziehen zu lassen und das eigene Leben normal weiterzugestalten, denn wenn man zu sehr auf die Krankheit eingeht kann der Betroffene schwerer für eine Therapie motiviert werden. Ein ruhiges und ausgeglichenes Umfeld ist ebenfalls sehr hilfreich. Es gibt leider wenige gute Verhaltenstherapeuten. Mir sind zwei Therapeuteneinrichtungen bekannt - Therapiezentrum Ybbs und Tageskinik Bad Sauerbrunn im Burgenland.

Margret

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
Ich habe die Verhaltenstherapie bereits hinter mir - wenn ich heute zurückdenke fallen mir zwanghafte Handlungen schon zu Schulzeiten auf, ja sogar dort schon sehr früh. Damals blieb das Ganze jedoch noch im Rahmen und fiel sonst niemandem auf. Im Arbeitsleben hatte ich auch schon damit zu kämpfen, es wurde jedoch mit Medikamenten (ohne Verhaltenstherapie) wieder erträglich gemacht und aus dem Weg geräumt.

Später, ich hatte inzwischen geheiratet und war bei unserem ersten Sohn schwanger, eskalierte das Ganze.
Zuerst mußte ich die Schwangerschaft gut zu Ende bringen (und ich war eigentlich stolz darauf und sehr gerne schwanger!), jedoch der Zwang erschwerte die Situation ungemein. Depressionen kamen dazu. Als unser Sohn drei Monate alt war mußte ich meine nächste große Entäuschung hinnehmen: Der Zwang fraß mich soweit auf, daß ich nicht mehr länger ohne medikamentöse Hilfe auskommen konnte. Ich mußte sofort abstillen (es viel mir unheimlich schwer!). Ein "normales" Leben (normaler Tagesablauf) war nicht mehr möglich; ich war so gut wie zu keiner Hausarbeit mehr fähig und auch mein Verhalten generell war oft ziemlich gestört durch die Krankheit. Mit Unterstützung des Medikamentes begannen wir nun mit der Verhaltenstherapie. Es war bei mir alles vorhanden: Zwangsängste, Zwangshandlungen, Zwangsgedanken, es wucherte nur noch so in meinem Kopf.
Es waren teilweise richtige "Horrorgeschichten" die sich dann in Zwangsängste auslebten. Es handelte sich dabei meist um unser Kind, das mir ja nun am meisten am Herzen lag. Das nützte der Zwang natürlich peinhart aus.
Die Therapie wurde noch etwas erschwert, da ich nur sehr wenig Selbstvertrauen und Selbstbewußtsein hatte, auch das lernte ich im Zuge dessen.


Anschließend an meinen Bericht möchte ich mich noch gerne bei meinem Therapeuten Dr. Gerhard Crombach bedanken. Mindestens genauso wichtig war aber auch die Hilfe und der Beistand meines Mannes sowie von "Ulrike S." (Kotherapeutin), auch bei ihnen möchte ich mich hier nochmals ganz herzlich bedanken!
Ohne deren Hilfe würde ich heute mit ziemlicher Sicherheit immer noch ein Häufchen Elend sein, das sich täglich nur noch mit Zwang, Zwang, Zwang und nicht mehr viel anderem herumschlagen müßte.
Damit möchte ich Euch alle Betroffenen ermutigen: Bekennt Euch zu Eurer Krankheit! - Macht die Verhaltenstherapie, keine Angst davor, sie hilft Euch wieder zu einem normalen Leben zurück! Umso früher ihr dran seit, desto weniger gibt es am Schluß auszumärzen!


Theresa

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
Aus meiner eigenen Erfahrung heraus kann ich den Zwang folgendermaßen beschreiben: Er ist vergleichbar mit einem lästigen kleinen Kerl, der auf Deiner Schulter sitzt und Dir natürlich immer das Gegenteil davon einredet (ins Ohr flüstert), was Du eigentlich willst.

Er ernährt sich von Deiner Aufmerksamkeit! Um so mehr Du ihm davon schenkst, desto unverschämter wird er.
Er wird immer kräftiger und Du hingegen immer abgekämpfter und schwächer.
Versuche ihn ganz einfach links liegen zu lassen, das verkraftet er am wenigsten.
Ich weiß natürlich, daß ich mich jetzt leicht rede, aber glaub mir, die Therapie macht sich bezahlt!
Ich war durch meine Umstände (siehe „mein Krankheitsbild“) wirklich auch total geschwächt und hatte daher anfangs auch sehr wenig Kampfgeist, aber wie man sieht, habe auch ich dann meine Erfolge erzielt.
Ich getraue mich auch zu behaupten, daß es nicht im Bereich des Möglichen liegt, das lästige Anhängsel von heute auf morgen zu vertreiben - es braucht sicherlich seine Zeit, aber der Erfolg macht sich in den verschiedensten Sachen bemerkbar. Man kann insgesamt das Leben wieder viel besser genießen als vorher. So viele verschiedene Dinge waren so lange auf Eis gelegt und erwachen dann wieder aus ihrem Winterschlaf. Ich kann Dir, was meine Person anbetrifft, folgende ganz simple Beispiele nennen: der Anbetracht eines Sonnenunterganges, ein gutes Essen, ein Konzert und vieles mehr.
Daher laß Dich nicht entmutigen, wenn die Aufgaben der Therapie anfangs nur schwer bzw. nicht durchführbar sind; die Fortschritte machen sich bald bemerkbar! Bei jedem bißchen Erfolg bist Du dem Ziel wieder einen Schritt näher gekommen.


Der Zwang ist ein hartnäckiger Kerl, aber laß nicht locker ihm zu zeigen,
daß Du noch hartnäckiger sein kannst!


Theresa