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Mit folgende Zeilen möchte ich gerne vor allem jene Betroffene ansprechen, welche unter Zwängen leiden wie: "Liebe ich meinen Partner, mein Kind auch wirklich genug?" Ich weiß es von früher aus Eigenerfahrung, was es heißt, immer wieder auf das "bestimmte Gefühl" zu warten und zu hoffen. Wie soll man denn z.B. Wiedersehensfreude empfinden, wenn man schon angespannt darauf wartet, in genau jenem Moment ein bestimmtes Gefühl zu spüren? Und wie lange wird wohl die vom Zwang verlangte Bestätigung ausreichen, um sich endlich zumindest für eine kurze Zeit wieder besser zu fühlen? Dazu habe ich einen sehr guten Text gefunden, welchen ich Euch nicht vorenthalten möchte: Ich zitiere:
 
"[...] Das Ergriffenwerden lässt sich nicht erzwingen oder bewusst herbeiführen, es lässt sich nicht "machen".
Wenn jemand gestern einen Sonnenuntergang auf der Parkbank [...] erlebte, so kann es sein, dass er heute auf der gleichen Bank sitzt und bei einem nahezu gleich schönen Sonnenuntergang gar nicht viel empfindet. Und je mehr er sich bemüht, desto geringer werden seine Chancen, tatsächlich ergriffen zu werden: Um seelisch tiefes Erleben kann man sich nicht bemühen. Ja, Anstrengung und Ergriffenwerden schließen sich geradezu aus. Wir können es allenfalls zu-lassen, unsere Kontrolle los-lassen und, wenn wir ergriffen werden, uns darauf ein-lassen.
Ergriffen sein lässt sich nicht be-wirken, es kann nur wirken. Es lässt sich nicht fassen, es kann uns nur er-fassen. Es lässt sich nicht fest-halten, wir können es nur aus-halten."1

1Marco von Münchhausen: Wo die Seele autankt. Die besten Möglichkeiten, Ihre Ressourcen zu aktivieren. - Frankfurt/New York: Campus Verlag 2004, S. 29f.

 

Allerdings rate ich nicht dazu, das Buch zu lesen, solange man an der Zwangserkrankung leidet. Dafür ist es nicht geschrieben. Hilfreiche Literatur für Zwangspatienten und Angehörige haben wir eigens aufgelistet!

An dieser Stelle wieder einmal mein Appell: Unternimm etwas gegen den Zwang, damit dann eben wieder die "Anstrengung" nachläßt und das "Ergriffenwerden" an dessen Stelle rücken kann. Dann wirst Du eben beispielsweise auch wieder mehr Gefühle für Deine(n) Partner(in) empfinden können. Es ist einfach eine völlige Überforderung an sich selbst, wenn man glaubt, neben der alltäglichen, sehr anstrengenden Plage mit dem Zwang könne bzw. müsse man noch besondere Empfindungen in Sachen Liebe und Gefühle aufbringen. Dazu ist man viel zu erschöpft. Suche Hilfe bei einem geschulten Verhaltenstherapeuten, dann bist Du auf dem besten Weg dazu, das "Leben" wieder mehr "lieben" zu können und die Plage Zwang in den Schatten zu rücken ("los-zulassen").

Alles Gute Theresa