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Mein Sohn leidet seit 6 Jahren an Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Diese Tipps stammen teilweise aus dem Folder der Deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankung und meinen eigenen Erfahrungen die ich bei der Begleitung meines Kindes gemacht habe. Im Diskussionsforum für Angehörige findest du einen Brief den ich an mein Kind geschrieben habe, er spiegelt meine Sorgen, Ängste und Hoffnungen wieder.

Nun zu den Tipps und Anregungen! Überprüfe ob du selbst auch zu zwanghaftem Verhalten neigst. In diesem Fall wäre es sinnvoll wenn auch du eine Therapie machst.
Zu hohe Ansprüche und Anforderungen an das Kind (z.B perfekt sein zu müssen) kann das zwanghafte Verhalten aufrechterhalten. Niemand kann perfekt sein. Lasse dein Kind einmal etwas verrücktes tun, etwas das außer der Norm ist, vielleicht machst du sogar mit? Perfekt sein zu müssen und ein stark ausgeprägtes Gewissen sind typische Merkmale eines Zwangskranken.

Gib die Illusion auf, dein Kind könnte mit Willenskraft oder gesunden Menschenverstand die Zwänge überwinden. Appelle wie "laß es einfach", "reiß dich zusammen" oder Diskussionen über die Sinnhaftigkeit einzelner Handlungen sind nicht hilfreich. Sie können eher Schuldgefühle bei deinem Kind auslösen. Denke daran, es kann nicht anders! Der Zwang ist wie ein Polyp im Gehirn, der stärker ist als der Verstand.

Unterstütze dein Kind nicht bei der Abwicklung seiner Zwänge, z.B. anstatt dessen zu kontrollieren. Es kommt vielleicht momentan zu einer Entspannung, aber auf lange Sicht werden die Zwänge stabilisiert. Das Kind reagiert oft mit Wut, Aggression oder Verzweiflung, du mußt trotzdem versuchen den Forderungen zu widerstehen. Sollte es dir nicht gelingen, dann versuche Grenzen zu setzen z.B. sage "ich kontrolliere ein Mal für dich, aber kein zweites Mal", dies aber mit sehr bestimmten Ton.

Lasse deinen eigenen Alltag nicht von den Zwängen deines Kindes bestimmen.
Zeige klar und deutlich deine Grenzen. Reagiere dabei nicht aggressiv, sondern ruhig und bestimmt.

Gib deinem Kind Anerkennung und Zuwendung wenn es bei der Bewältigung von Zwängen Fortschritte gemacht hat. Wenn es Rückfälle hat, die es mit großer Wahrscheinlichkeit haben wird, tadle es nicht und zeige deine Enttäuschung nicht, das Kind entwickelt dadurch Schuldgefühle. Hoffnung und Enttäuschung liegen bei der Begleitung eng aneinander.

Veruche ein ruhiges und angenehmes Familienklima zu schaffen.

Halte deine Aggressionen, die sehr häufig auftreten, im Zaum. Auch Geschwister entwickeln sehr leicht Aggressionen, sie sollen immer Rücksicht nehmen und ihre Bedürfnisse werden oft nicht mehr wahrgenommen da sich alles auf das kranke Kind konzentriert. Vergiß deine anderen Kinder nicht, sie brauchen in dieser schwierigen Situation ebenfalls deine Zuwendung.

Versuche unbedingt die sozialen Kontakte des Kindes aufrechtzuerhalten (lade immer wieder Freunde ein wenn das Kind das Haus nicht mehr verläßt).

Aktivitäten außer Haus sind besonders zu empfehlen. Vor allem Sport ist eine der besten Therapien.

Wenn du überfordert bist kannst du über das Sozialamt einen Erziehungshelfer anfordern, er kommt ins Haus.

Wenn es zu Hause überhaupt nicht mehr geht, gibt es die Möglichkeit einer therapeutischen Wohngemeinschaft, nähere Informationen ebenfalls über das Sozialamt. Die Betreuung in einer fremden Umgebung und durch fremde Personen, kann sich häufig sehr positiv auf das Zwangsverhalten auswirken. Als Eltern sind wir emotional sehr an das Kind gebunden und diese Emotionen lassen uns oft nicht konstruktiv helfen.

Ab Diagnosestellung kannst du erhöhte Kinderbeihilfe beantragen und dies auch beim Jahresausgleich geltend machen (auch 5 Jahre rückwirkend).

Noch etwas sehr wichtiges: nimm dir so oft es geht eine Auszeit. Tu dir etwas Gutes. Es nützt dir und deinem Kind nicht wenn deine Nerven blank liegen.

Vergiß nicht" trotzdem zu lachen"!!!!!!!!!

Ein Buchtip (eignet sich für Kinder und Jugendliche)
"Ein verheimlichtes Problem" von Chris Wever und Neil Philipps /Verlag menschenkinderreihe Falkenplatz 1a 23564 Lübeck E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Alles Liebe und viel Kraft für euch Margret

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Ich hatte gestern einen supermießen Tag und würde euch gerne aus meinem Tagebuch zitieren!Angefangen hat der Tag damit, dass ich verschlief und erst um halb 9 in der Arbeit war. Im Zug hatte ich dann wieder einige Z-Ged. (Gedanke 1). Unter anderem den, "dass die Gruppe Jugendlicher im Abteil sich nur so laut unterhalten und lachen, weil sie mich damit stören wollen". Natürlich weiss ich, dass das irrsinnig ist! Aber wenn ich mir das immer wieder einrede, dann ist es wirklich eine gute Methode um sich verdammt schlecht zu fühlen!

Nachdem diese Gedanken ihre Wirkung nicht verfehlt hatten, hatte ich in der Arbeit schon den nächsten bekannten Gedanken (Ged.2):" Du darfst nicht schlecht drauf sein". Aber nachdem ich das schon war, dank Gedanke Nr.1, löste das auch wieder schlechte Gefühle in mir aus.

Später kamen Ged.1 und Ged.2 auch ständig wieder, vorallem in den klitzekleinen Phasen, nachdem mir an diesem -wunderschönen- Montag doch mal etwas gelang, um mich gleich wieder daran zu erinnern, dass ich auch nicht gut drauf sein darf.

Den Rest des Tages hatte ich noch einige Z-Ged. mehr, die sich alle immer wieder um das gleiche drehten: Ich könnte Leute töten/angreifen; Kinder vergewaltigen - darauf folgten meistens Gedanken wie: Was denken die anderen?; sehen sie mir meine Gedanken an?; haben sie Angst vor mir?; Fall ich ihnen zur Last? oder aber ich verurteile mich selbst für meine Gedanken mit: wärst du wirklich dazu im Stande?; Willst du es vielleicht sogar?

Die Wirkung der Gedanken war natürlich wieder die: Ich war höllisch schlecht drauf. Und weil ich es anscheinend so liebe schlecht drauf zu sein, kam natürlich wieder Gedanke Nr.2: "Du darfst nicht schlecht drauf sein! In deinem Alter hast du vor Energie nur so zu strotzen!"

Und am Ende eines solchen Tages muss ich immer noch mit diesen Gefühlen (Hilflosigkeit, Trauer, Angst, Selbstmitleid, Einsamkeit, Wut, Herzschmerz...) die heute entstanden sind zum Bahnhof laufen, wo ich unterwegs immer mehr Leuten begegne, vor denen ich natürlich meine Gefühle nicht zeigen will(darf, sonst verliere ich mein Gesicht). Deshalb verstelle ich mich und versuche locker zu sein, aber ich stelle genau das Gegenteil dar! Im Zug dann noch mehr Ängste u. Z-Ged. und wenn ich dann nach so einem Tag Zuhause bin, bin ich total fertig und muss mich aber den nächsten Zerreissproben stellen, der Familiären Situation bei uns Zuhause.

---Ende---

Ich glaube es klingt ziemlich egoistisch und selbstbemitleidend, doch ich wollte einfach mal meinem Schmerz Ausdruck verleihen!

Danke fürs lesen,
LG Sebastian