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Liebe Betroffene! Zwei Schicksale von Zwangskranken sind mir in letzter Zeit begegnet, die haben mir recht zu denken gegeben. Das eine war das eines jungen Mannes. Er meinte, er wolle nicht Therapie machen, er habe sich "da selbst hineinmanövriert", da müsse er auch selbst weider herausfinden. Von wegen "sich selbst hineinmanövrieren"! Heißt sie doch die Zwangskrankheit, die leiden macht.

Aufgezwungene Gedanken, Vorstellungen, Bilder, Schuldgefühle, Kontrollen, Reinigungsrituale sind das, die so sehr plagen.
Eine seelische Erkrankung eben, zu mächtig in ihren Auswirkungen und Ansprüchen, als daß Betroffene selbst damit fertig werden können.
Ist doch auch in vertrauensvermittelnder Therapeutenbegleitung zunächst noch schwer, von alten Vorstellungen zu lassen - wie soll man da allein damit fertig werden!
Eine Geldtasche mag einem an Waschzwang Erkrankten wie ein ekeliges Ungeheuer vorkommen, bis er oder sie durch geduldige Unterstützung neue Einstellung dazu bekommt.

Und damit komme ich zur zweiten Begegnung. Das war ein älterer Herr, der nach ein paar Therapiesitzungen damit ungehen können sollte, allein und daheim, daß solch eine Geldtasche im Grunde genommen harmlos ist. Er hat die Übungen nicht geschafft, die Angst war zu groß. Ich kann das verstehen aus eigener Erfahrung. In meinem Fall war der Therapeut eben bereit, aus dem zunächst zu schweren ganzen Schritt einen halben vorzuschlagen. Zum Beispiel, die Übung in der Praxis zu machen und mit genauen Hilfestellungen - ganz im Detail, die enorme Unsicherheit verlangt das - wie verhalte ich mich zu Hause, wenn ich solch eine Übung zu wiederholen versuche. Wie schauen die Folgehandlungen aus nach der Berührung einer solchen Geldtasche? Da kann jede darauffolgende Handlung zunächst eine große Herausforderung sein.
Meine Therapie hat zwei Jahre gedauert. Da war genug Zeit für halbe Schritte und für das Eingehen auf die große Angst: "Das schaffe ich allein nicht."
Ein Drittel der Patienten schafft die Therapie nicht - so die Meldung einer Therapeutin.
Zum einen stimmt das nicht. Da halte ich mich lieber an die Ermunterung von Prof. Reinecker aus Deutschland: "Fast alle profitieren von einer Therapie." Was heißt überhaupt "Therapie schaffen?" Jedere Zwang weniger ist eine riesen Erleichterung, jede verständisvolle Unterstützung im großen Leid ist eine Hilfe.
Kann ja auch sein, daß die leidvolle Lebensgeschichte eines Betroffenen zu hinterfragen und hier zu unterstützen Priorität hat. Jede Therapie ist maßgeschneidert, auch Therapeuten und Therapeutinnen müssen wissen, worauf sie sich einlassen, wenn ein Zwangspatient Hilfe sucht. "Überlegen Sie sich, ob Sie diese Therapie machen wollen!" In solch einer Therapeutenaufforderung weht für mich ein zu scharfer Wind. Therapie muß sich entwickeln können.
Laßt Euch nicht entmutigen! Es gibt immer einen Weg und wenn es "nur" der ist, nicht mehr alleine mit dieser Belastung zu sein. Daß gute Therapie allerdings ein Weg, ist, der zu zweit gegangen werden muß, mit Anstrengungen von beiden Seiten und auch viel Ernsthaftigkeit von seiten des Erkrankten, das soll uns klar sein. Therapie bedeutet einzusehen: "Wie sinnvoll ist das, was ich jetzt lerne und auf mich nehme. Schwer zwar, aber, drauf vertraue ich, ungeheuer sinnvoll! Lassen Sie sich "hinüberziehen" vom Theraputen, von der Therapeutin, und ziehen Sie fleißig mit!!

Liebe Grüße, ich bin am Telefon für Euch da!

Eure Ulrike S.

 

 

Bücher:

"Der Weg aus der Zwangserkrankung"

"Hilfreiche Briefe an Zwangskranke"

"ABC für Zwangskranke"

Tipps einer ehemals Betroffenen.

(Alle drei erschienen im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht) - im normalen Buchhandeloder auch über Amazon erhältlich)




An dieser Stelle möchte ich Theresa von der www.zwaenge.at und auch ihrem Mann Josef sehr danken, daß die beiden diese Seite eingerichtet haben. ich kann beobachten, daß sie viel Gutes dabei bewirken.

Vielen Dank Theresa und Josef!