Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 
Liebe Betroffene, es ist schon ein paar Wochen her, da hatte ich ein recht heiteres Erlebnis. Laßt Euch erzählen! Es war ein wolkenloser, richtig schöner Herbstmorgen, so wie wir heuer schon viele erleben durften. Ich nehme mit also meinen Kaffee hinaus auf den Balkon, es heißt doch, das Licht am Vormittag sei ganz besonders wohltuend für die Seele. Und meine Seele braucht nach so vielen Zwangsjahren viel Wohltuendes, eben auch das Genießen einer Tasse Kaffee auf dem Balkon in der Morgensonne. Denk'ste!

Genau in dem Augenblick fänt unser perfektionistischer Nachbar an, mit seinem alten knatternden Rasenmäher die Wiese zu bearbeiten. Die letzte Mahd im Herbst! Unter zwei Stunden wird er's nie tun, das weiß ich aus Erfahrung.

"Wenn ihm nur der Mäher absterben würde!", das wünsche ich ihm von ganzem Herzen. Und siehe da, gedacht und es geschieht!

"Hoppla," denk ich mir, "jetzt bin ich aber froh, daß ich nicht an den Quatsch vom Zwang glauben muß, daß Gedanken etwas bewirken. So praktisch es auch grade für mich wäre, über diese Fähigkeit zu verfügen."Nach einer Viertel Stunde knattert er wieder! Oh je! Mein "Zauber" hat nicht gerade lange angehalten. Sollte ich vielleicht noch einen "guten Wunsch" zulegen?!

Aber jetzt im Ernst.

Laßt Ezcg nichts einreden, weder vom zwang noch von dem Gerede über Magie und die "Kraft der Gedanken". Ich mag das Buch über Zwagnsstörungen von Althaus, Niedermeier und Niescken sehr gern (Beck Verlag), da steht geschreiben:" Die Krankheislehre der Psyche betrachtet magisches Denkan als Symptom und definiert es al irrtümliche Annahme einer Person, sie könne durch Gedanken, Sprechen oder Handeln Einfluß auf ursächlich nicht verbundene Ereignisse nehmen, sie verhindern oder hervorrufen." Also dann! Schluß mit den irrationalen Zwangsvorstellungen aus dem Reich der Esoterik und Magie.

Kurze hilfreiche Merksätze : Ein Gedanke kann nichts bewirken. Ich kann und darf denken, mir vorstellen, niederschreiben, was ich will, es passiert nichts. Auch nicht in unbestimmter ferner Zukunft. (Der Zwang behauptet ja manchmal, er würde bis in die Ewigkeit begleiten können und dort sein Unwesen treiben). Ein Gedanke bleibt ein Gedanke. Ich muss kein Ritual ausüben, weder in Gedanken noch als Handlungen (z.B. in Form von quälenden Wiederholungen)

 

P.S.: Hätte der Rasenmäher wirklich den ganzen schönen Vormittag geschwiegen, dann wäre er halt so richtig kaputt gewesen und der allzu sparsame Nachbar hätte sich eindlich einmal einen neuen (hoffentlich leiseren) leisten müssen. Mit meinem "frommen Wunsch" hätte das rein gar nichts zu tun gehabt!

Liebe Grüße!

Eure Ulrike S.

 

Autorin der Bücher:

Der Weg aus der Zwangserkrankung"

"Hilfreiche Briefe an Zwangskranke"

"ABC für Zwangskranke"

Tipps einer ehemals Betroffenen.

(Alle drei erschienen im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht) - im normalen Buchhandel oder auch über Amazon erhältlich)

 

Entschuldigt bitte, daß ich anschließend an die Briefe an Euch jedesmal die drei Bücher erwähne. Aber sie sind auch immer wieder der vorbereitende Weg zum Sorgentelefon.